Handelsblatt: Bangen um Anschluss
HANDELSBLATT, 9.3.2001
Die Telekommunikation wird als Jobmaschine der Zukunft gefeiert. Doch bei näherem Hinsehen kommen Zweifel an den rosigen Prognosen auf. Zumindest der Bundesfinanzminister hat seinen Schnitt gemacht: Die Versteigerung der UMTS Lizenzen – das Kürzel steht für Universal Mobile Telecommunications Sytem – brachte dem Staat knapp 100 Milliarden Mark ein. Allerdings weiß niemand, wie viel die Telekommunikations- Unternehmen, die mitgeboten haben, von diesem Geld je wiedersehen werden.
„Bisher hat noch kein Unternehmen ein Portfolio zusammen, das verspricht, die UMTS- Bandbreiten erfolgreich zu machen“, erklärt Rolf Scheuten, Vorstandsmitglied und Partner der Apriori International AG in Remagen-Rolandseck, einer auf die Informations- und Telekommunikationstechnik spezialisierten Personalberatung. UMTS verwandelt das Handy in einen multimedialen Begleiter, der neben Informationen und Unterhaltung auch Shopping- und Bankingfunktionen liefert. Doch bislang wird mit dem Handy fast nur telefoniert oder es werden Kurznachrichten (SMS – Short Message Service) ausgetauscht. Daran hat auch die Drahtlos-Technik per WAP (Wireless Application Protocoll) nichts geändert: Sie ist wegen hoher Kosten bei langsamer und instabiler Übertragung allseits unbeliebt.
Die Branche verspricht sich einen Wachstumsschub von UMTS – und jede Menge neuer Jobs. Da im Kampf um Marktanteile jeder Tag zählt, müssen die Unternehmen schnellstens Personal aufbauen. Motto: Erstmal einstellen, dann sehen wir, ob wir die Leute wirklich auf Dauer beschäftigen können. „Mitarbeiter, die im jetzigen Telefonnetz Erfahrungen mit WAP gesammelt haben, sind hochgefragt“, sagt Scheuten. „Sie werden am Markt zu enormen Preisen weggekauft.“ [...]
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